an DDR-Besucher*innen aus dem Westen
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@whose_nose Ich war noch relativ jung. Von daher keine Sorgen gemacht, ob man wieder raus kommt.
Bekannt war aber, dass wir vor Ort beobachtet worden sind. Wir waren, wenn wir zu Besuch waren, immer bei der Kusine meiner Mutter untergekommen. Wir mussten uns ja ins Hausbuch eintragen und auch umgehend bei der Polizei anmelden. Auffällig war dann, dass regelmäßig schwarze Autos mit jeweils zwei Herren drin vorm Haus standen. Diese waren Werder vor der Anreise, noch nach der Abreise dort.Die Kontrollen an der Grenze waren mal weniger intensiv, mal mehr. Nervig waren sie immer. Mulmiges Gefühl war immer.
Schmuggel? Naja, nie etwas kritisches mitgeführt. Lebensmittel waren immer dabei. Zwar auch Dinge die ungern gesehen waren, wie z.B. Frauenzeitschriften meiner Mutter, meine gesammelten Walt Disneys. Gab aber nie Probleme.Zur linientreuen Verwandtschaft gab es null Kontakt. Die kamen nach dem Mauerfall angeschissen wurden von uns aber sehr deutlich zur Hölle geschickt.
@AlienJay
Hausbuch + Polizeianmeldung
Da muss ich gleich mal meine Westtante anrufen.
Danke - das habe ich nicht gewusst.
Die Autos wären sehr aufgefallen, hätten sie vor unserer Tür gestanden. Ich war aber noch zu klein als das ich es überhaupt gemerkt hätte.Es gab so wenig Autos - alte Fotos zeigen vereinzelt Autos am Strassenrand.
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@Muellers_Kabinett
Super spannend, eure Geschichten zu lesen!
@whose_nose@ruebe5w @Muellers_Kabinett
ich lerne auch gerade viel dazu - der Persepektivwechsel ist sehr spannend. -
Ich bin als 18jährige als Betreuerin einer Jugendgruppe eines Sportvereins mit dem Bus über die Grenze gefahren.
Die Grenzer fand ich etwas steif.
Aber schlimm war, dass der Bus total lange (mit lf. Motor) auf der Stelle stand.
Mir ist übel geworden, ich durfte an die frische Luft und habe dem Grenzer buchstäblich vor die Füße gekotzt!
@Wanda
schon früh ne starke Meinung gehabt, was?
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@whose_nose Dann hat er mich umarmt und weiter geweint. Er hat sich halt die Vorgänge um den 17.Juni mitbekommen und per Brief bei Walter Ulbricht protestiert als Jugendlicher und hatte offenbar danach bis zum Zusammenbruch der DDR Angst, dass die kommen und ihn holen. Für mich als Kind eine absolut irrationale Angst...
@JDP2000
Die Willkür war unbegrenzt. Ist vorstellbar, dass 1 Brief gereicht hätte.
Bei meiner Schwester hat 1 Satz gereicht und ihr wurde die ganze Zukunft verbaut. -
@whose_nose Was die linientreue Verwandtschaft angeht: Meine Eltern waren 1988 zur Beerdigung meines Uropas "drüben" und dieser eine Großonkel, Vopo und immer zu 150 % auf Linie, erzählte einen DDR-Witz. Da wussten sie, mit dem Laden gehts zuende.
@bewitchedmind
mich haben die kreuzroten schon als 5 Jährig*e richtig wütend gemacht, durfte aber diese Wut nicht nach aussen äussern, weil ich meine Familie damit nicht gefährden durfte.
Wenn jetzt immer noch Leute solche Diktaturen richtig geil finden, fasst mich das sehr an. -
@whose_nose Ich bin einmal, 1988 mit Mutter und kleinem Bruder Verwandtschaft in Schwerin besuchen gefahren. Meine Mutter erschrak bisschen über die zwei MickyMaus-Hefte, die ich trotz Verbots dabei hatte, ich kann mich nicht erinnern, ob sie uns abgenommen wurden oder nicht. Einreise ging relativ schnell, wir hatten auch wirklich nicht viel dabei.
Mein kleiner Bruder fragte meine Mutter in Schwerin, ob da noch Krieg sei, so schlimm sah das aus dort.
Meine Mutter hatte wohl recht viel Angst, sie war '61 kurz vor Mauerbau geflohen, aber es passierte nichts. Meine Tante instruierte uns, nichts über die DDR o.ä. zu fragen.@Easydor
Diese Angst vor Willkür.
Ja, die Bausubstanzen der Städte waren übel. Für uns Kinder war das aber auch viel Freiheit , was wir in Erdlöchern und auf Schutthaufen rumgeklettert sind. Sogar auf Müllhalden auf Schatzjagd.Glücklich waren wir als wir ne Plattenbauwohnung - warm und trocken bekamen.
Vorher wohnten wir in einer Zwangswg mit fremden Leuten. Das hieß irgendwas wie Kommunardenwohnung.
Eine alte Frau und noch eine Familie - teilten Bad/Küche.
Plattenbau war so das upgrade. -
@whose_nose Rückreise war krasser. Spiegel unter das Auto, Rückbank durchgedrückt, überall reingekrabbelt. Dabei war es ein winziger Polo. Dauerte etwas. Mutter war sichtlich erleichtert, als wir da durch waren.
@Easydor
Vermutlich standen alle unter Generalverdacht. -
@whose_nose
... Erklärung, die Sachen gehörten mir nicht allein, akzeptierten die Grenzer nicht. Von Geldwäsche war die Rede, Unterlaufen des Finanzsystems der DDR & Anklagen mehr.
Es war Spätnachmittag, ich fühlte mich krank.
Sie haben mich 2 h verhört, sehr unfreundlich & barsch, und mich festgehalten.
Als der Grenzübergang nachts schloss, haben sie mich einfach rausgeschmissen. Ich stand im Regen im Dunkeln völlig fertig, erschöpft & krank & musste sehen, wie ich in unsere Unterkunft kam.@speybridge
Oh je. Das tut mir leid. -
@Easydor
Diese Angst vor Willkür.
Ja, die Bausubstanzen der Städte waren übel. Für uns Kinder war das aber auch viel Freiheit , was wir in Erdlöchern und auf Schutthaufen rumgeklettert sind. Sogar auf Müllhalden auf Schatzjagd.Glücklich waren wir als wir ne Plattenbauwohnung - warm und trocken bekamen.
Vorher wohnten wir in einer Zwangswg mit fremden Leuten. Das hieß irgendwas wie Kommunardenwohnung.
Eine alte Frau und noch eine Familie - teilten Bad/Küche.
Plattenbau war so das upgrade.@whose_nose Das glaube ich dir sofort. Unsre schönsten Spielorte waren auch brach liegende Grundstücke, am Bach und alte leere Häuser. Unser Nachbargrundstück war mit Aushub der umliegenden Grundstücke zu einer Hügellandschaft aufgeschüttet und wir fuhren dort Rad und spielten.
Als daraus ein "Abenteuerspielplatz" gemacht wurde, empfand ich das wirklich als Verlust. -
@AlienJay
Hausbuch + Polizeianmeldung
Da muss ich gleich mal meine Westtante anrufen.
Danke - das habe ich nicht gewusst.
Die Autos wären sehr aufgefallen, hätten sie vor unserer Tür gestanden. Ich war aber noch zu klein als das ich es überhaupt gemerkt hätte.Es gab so wenig Autos - alte Fotos zeigen vereinzelt Autos am Strassenrand.
@whose_nose Ja, Autos am Straßenrand fielen auf. Das stimmt.
Ich überlege gerade, wie alt ich war, als ich das letzte Mal in der DDR war. Da war ich gute 17 Jahre alt meine ich. Ich war damals dann mit dem Sohn der Kusine meiner Mutter auch in einer Disko. Er war ungefähr in meinem Alter und hatte den Führerschein für die Schwalbe, die die Familie besaß.
Aber auch in dem Alter war ich relativ unbedarft an der Grenze. Ich war es ja gewohnt. Wir waren sehr regelmäßig bei unserer Verwandtschaft in Dresden.
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@whose_nose ich glaube, diese Momente der kleinen Rache brauchte es um sich etwas besser zu fühlen. Die Worte der Tante beim Besuch des Konsum, als wir vor dem Gemüse-Regal standen, in dem traurige Kartoffeln vor sich in schrumpelten und Kohlköpfe wenig angenehm rochen, waren allen Ernstes: 'komm, ich zeig Dir, welche Segnungen der Sozialismus in Makranstädt für die Bürger der DDR bereit hält...'
@Muellers_Kabinett
Sicher, dass das nicht sarkastisch gemeint war? -
@whose_nose Das glaube ich dir sofort. Unsre schönsten Spielorte waren auch brach liegende Grundstücke, am Bach und alte leere Häuser. Unser Nachbargrundstück war mit Aushub der umliegenden Grundstücke zu einer Hügellandschaft aufgeschüttet und wir fuhren dort Rad und spielten.
Als daraus ein "Abenteuerspielplatz" gemacht wurde, empfand ich das wirklich als Verlust.@Easydor
in ner Knallerbsenstrauchhecke Buden gebaut
In Aushub für Kanalisation Buden gebaut und weiter ausgehölt - Höhle mit Dach - das war rückwirkend betrachtet nicht ganz ungefährlich.
Oft lagen Baustellen ewig brach - bis Material wieder da war.
Großartig!
Wenn ich heimkam, war ich voller Dreck.
Ach und in Sandkästen baden nach Starkregen. Es gab diese riesengroßen Sandkästen (10 m breite?) mit Betoneinfassung und die waren dann Knietief unter Wasser.
Das taten wir als wären wir im Schwimmbad -
Oder eben auch schlittern auf der Matsche der Fussballwiese nach Starkregen. Und da haben alle Kinder (das war schon im Plattenbau) mitgemacht - 40 50... Großartig.
Hach! -
@whose_nose Ja, Autos am Straßenrand fielen auf. Das stimmt.
Ich überlege gerade, wie alt ich war, als ich das letzte Mal in der DDR war. Da war ich gute 17 Jahre alt meine ich. Ich war damals dann mit dem Sohn der Kusine meiner Mutter auch in einer Disko. Er war ungefähr in meinem Alter und hatte den Führerschein für die Schwalbe, die die Familie besaß.
Aber auch in dem Alter war ich relativ unbedarft an der Grenze. Ich war es ja gewohnt. Wir waren sehr regelmäßig bei unserer Verwandtschaft in Dresden.
Bei uns gab es manchmal Schuldiskos im Essenraum im Keller.
Weisst Du noch, wo du damals in der Disse warst? (bei uns hiess das so)
Das Volkshaus war sehr bekannt - in Dresden-Laubegast. -
@JDP2000
Die Willkür war unbegrenzt. Ist vorstellbar, dass 1 Brief gereicht hätte.
Bei meiner Schwester hat 1 Satz gereicht und ihr wurde die ganze Zukunft verbaut.@whose_nose Mag sein, ich fand seine Angst abstrakt, befremdlich. Als die Mauer fiel war ich zehn. Ich kannte die DDR im Prinzip nur aus dem Fernsehen. Wir hatten ab 86 Kabelfernsehen. Ab da konnten wir auch Ostfernsehen (DDR1 und DDR2). Für mich war die DDR einfach ein anderes deutschsprachiges Land, wie Österreich, Lichtenstein oder die Schweiz. Naja und natürlich auch Märklin- assoziert...und ich wusste im Grunde nichts vom 17.Juni 1/2
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@whose_nose Mag sein, ich fand seine Angst abstrakt, befremdlich. Als die Mauer fiel war ich zehn. Ich kannte die DDR im Prinzip nur aus dem Fernsehen. Wir hatten ab 86 Kabelfernsehen. Ab da konnten wir auch Ostfernsehen (DDR1 und DDR2). Für mich war die DDR einfach ein anderes deutschsprachiges Land, wie Österreich, Lichtenstein oder die Schweiz. Naja und natürlich auch Märklin- assoziert...und ich wusste im Grunde nichts vom 17.Juni 1/2
@whose_nose Naja, für meine Freunde und mich hatte die DDR nichts Bedrohliches...2/2
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@whose_nose Naja, für meine Freunde und mich hatte die DDR nichts Bedrohliches...2/2
@whose_nose Krass, mit deiner Schwester, was war das denn für ein kontroverser Satz, wenn deine Schwester derart Probleme deshalb bekommen hat?
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@Muellers_Kabinett
Sicher, dass das nicht sarkastisch gemeint war?@Mercutio @whose_nose ich bin mir sehr sicher das das sarkastisch gemeint war - diese form des Kommentars wurde in unserer Familie anscheinend auf beiden Seiten der Deutschen Grenze kultiviert. Ich war in dem Alter aber nicht immer in der Lage den Sarkasmus zu entschlüsseln. Die Tante hatte so eine fröhliche Version des Sarkasmus am Start
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Bei uns gab es manchmal Schuldiskos im Essenraum im Keller.
Weisst Du noch, wo du damals in der Disse warst? (bei uns hiess das so)
Das Volkshaus war sehr bekannt - in Dresden-Laubegast.@whose_nose Nein, das weiß ich wirklich nicht mehr wie die hieß.
Disse haben wir hier auch gesagt.
Funfact: In Laubegast wohnte die Tante meiner Mutter. -
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