an DDR-Besucher*innen aus dem Westen
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@whose_nose Die Wolle war so sehr Kunststoff, wie nur ging - sehr spannende Farben und auch immer total aufwendige Muster. Das Zeug roch eigenartig und hat in der Waschmaschine Dummheiten gemacht, die zur Unbenutzbarkeit des Pullovers führen konnten. Auf der nackten Haut hat das bei mir nicht funktioniert -
@Muellers_Kabinett
Wer weiss ob das upgecycelte LKW-Plane war. Meine Tante besitzt immer noch nen Pulli aus Fallshirmseide.
Haste mal den Geigerzähler drangehalten? -
@whose_nose ich hatte als Jugendlicher mit Neurodermitis zu kämpfen und wenn ich die mal wieder treffen wolle, brauchte ich mir nur einfach einen dieser Pullover anschauen. Ich konnte die nur mit einem Oberhemd drunter tragen, habe aber Oberhemden gehasst. Natürlich musste es ein Foto von mir mit den tollen Kleidungsstücken aus dem Weihnachtspaket geben - als Dankeschön und Beleg meiner Freude...
@Muellers_Kabinett
oh ich amüsier mich gerade prächtig.
Du solltest ein Buch schreiben. *Tränchen-weg-wisch* -
@Muellers_Kabinett
Ihr ward richtig Schmuggelpros... Stark.
oh da hast du noch viele Schätze an Fotomaterial herumliegen.
Ich kann mir vorstellen, dass Fotographieren in der DDR auch nicht ging und die an der Grenze Filme knallhart belichtet haben.
So Nordkorea mässig.@whose_nose das mit der Röntgendurchleuchtung von Fotoausrüstungen war damals recht verbreitet - da gab es tatsächlich Behälter aus Blei für die Filmkapseln. Das Orwo-Material hat die DDR damals in der Fotoabteilung des Saturn Hansa verramscht - meine fotografische Karriere startete mit den guten Schwarzweiss-Materialien der DDR zum Taschengeld-Tarif.
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@whose_nose das mit der Röntgendurchleuchtung von Fotoausrüstungen war damals recht verbreitet - da gab es tatsächlich Behälter aus Blei für die Filmkapseln. Das Orwo-Material hat die DDR damals in der Fotoabteilung des Saturn Hansa verramscht - meine fotografische Karriere startete mit den guten Schwarzweiss-Materialien der DDR zum Taschengeld-Tarif.
@whose_nose Fotos machen ging - zumindest während der Leipziger Messe erstaunlich gut - man wollte sich ja als weltoffenes Land präsentieren. Leider hat mein Vater die Fotos von damals in seiner Demenz zum größten Teil vernichtet.
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@whose_nose Fotos machen ging - zumindest während der Leipziger Messe erstaunlich gut - man wollte sich ja als weltoffenes Land präsentieren. Leider hat mein Vater die Fotos von damals in seiner Demenz zum größten Teil vernichtet.
@Muellers_Kabinett
ach schade.
Wenn ich mein Wissen und die Ausrüstung von heute (nice digi Spiegelreflex) damals gehabt hätte, wäre ich monatelang in lost places abgetaucht und hätte den Verfall aufgesaugt.Mein Onkel hat zu DDR-Zeiten viel fotographiert und auf Dias gezogen - nur ist der eher rechts und da habe ich keinen Kontaktwunsch trotz meiner Fotoneugierde.
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an DDR-Besucher*innen aus dem Westen
Hattet ihr eigentlich nie Sorge nicht wieder rauszukommen?
Was passierte an der Grenze zur DDR und dann wieder von der DDR raus?
War Zeug reinschmuggeln möglich?
Wie seid ihr mit Parteilinie-Verwandtschaft umgegangen?
@whose_nose
Ich bin 70ern/80ern im Amerikanischen Sektor von Berlin aufgewachsen. Meinem Vater war das Thema Deutsche Teilung/Deutsche Einheit immer ein großes Anliegen gewesen.Aus Reisen in sozialistische Länder während seiner Studienzeit hatte er Freunde in Dresden, die wir ca. 1x im Jahr besuchten, später auch entfernte Verwandte in Magdeburg.
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@whose_nose
Ich bin 70ern/80ern im Amerikanischen Sektor von Berlin aufgewachsen. Meinem Vater war das Thema Deutsche Teilung/Deutsche Einheit immer ein großes Anliegen gewesen.Aus Reisen in sozialistische Länder während seiner Studienzeit hatte er Freunde in Dresden, die wir ca. 1x im Jahr besuchten, später auch entfernte Verwandte in Magdeburg.
@whose_nose
Die Grenzkontrollen waren immer aufregend, meist mit einem etwas mulmigen Gefühls, weil man nie wusste, wie die Grenzpolizisten heute drauf sein würden. Man fühlte sich ihnen ausgeliefert.Die Sorge galt aber immer nur den Schikanen. Angst, nicht wieder zurück zu kommen, war es nie.
Transitfahrten waren absoluter Standard. Jede Reise auf dem Landweg begann mit der Passkontrolle. Und auf Gruppenreisen hatte zunächst immer jemand seinen Ausweis nicht dabei!
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@whose_nose
Die Grenzkontrollen waren immer aufregend, meist mit einem etwas mulmigen Gefühls, weil man nie wusste, wie die Grenzpolizisten heute drauf sein würden. Man fühlte sich ihnen ausgeliefert.Die Sorge galt aber immer nur den Schikanen. Angst, nicht wieder zurück zu kommen, war es nie.
Transitfahrten waren absoluter Standard. Jede Reise auf dem Landweg begann mit der Passkontrolle. Und auf Gruppenreisen hatte zunächst immer jemand seinen Ausweis nicht dabei!
@whose_nose
Auf den Transitautobahnen versuchten alle, sich absolut 100% an alle Regeln zu halten. Sowohl beim Tempolimit als auch bloß nicht die vorgegebene Strecke zu verlassen. Einmal regnete es so hart, dass man nichts mehr sah und mein Vater irgendwo anhielt um abzuwarten. Aber man fragte sich: Ist das erlaubt? -
@Muellers_Kabinett
ach schade.
Wenn ich mein Wissen und die Ausrüstung von heute (nice digi Spiegelreflex) damals gehabt hätte, wäre ich monatelang in lost places abgetaucht und hätte den Verfall aufgesaugt.Mein Onkel hat zu DDR-Zeiten viel fotographiert und auf Dias gezogen - nur ist der eher rechts und da habe ich keinen Kontaktwunsch trotz meiner Fotoneugierde.
@whose_nose Nach der Wende ist die Verwandschaft in Leipzig irgendwie auseinander gefallen - die Tante und Ihr Ehemann waren schon sehr betagt zu dem Zeitpunkt und kommentierten die Ereignisse mit derselben zynischen Distanz wie sie das auch zur Zeit der DDR taten - die lebten irgendwie in eine Parallellwelt.
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@whose_nose Nach der Wende ist die Verwandschaft in Leipzig irgendwie auseinander gefallen - die Tante und Ihr Ehemann waren schon sehr betagt zu dem Zeitpunkt und kommentierten die Ereignisse mit derselben zynischen Distanz wie sie das auch zur Zeit der DDR taten - die lebten irgendwie in eine Parallellwelt.
@whose_nose Ihre Enkelkinder haben sich teilweise in bizarre politische Lager geschlagen und auf unterschiedliche Arten das persönliche Scheitern inszeniert. Der Kontakt dort hin ist inzwischen verloren gegangen und ich weiss nicht, ob ich noch Einen wollen würde
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@whose_nose
Auf den Transitautobahnen versuchten alle, sich absolut 100% an alle Regeln zu halten. Sowohl beim Tempolimit als auch bloß nicht die vorgegebene Strecke zu verlassen. Einmal regnete es so hart, dass man nichts mehr sah und mein Vater irgendwo anhielt um abzuwarten. Aber man fragte sich: Ist das erlaubt?@whose_nose
Lediglich bei den Ortsbezeichnungen ließ mein Vater gegenüber den Grenzpolizisten öfter mal den Rebell raushängen und nannte die westlichen Bezeichnungen: auf die Frage nach dem Ziel z.B. „Berlin“ statt das offiziell erwünschte „West-Berlin“ mit dem die DDR die Einheit der Stadt zu negieren versuchte.
Oder den westlichen Ort des Grenzübergangs, z.B. „Helmstedt“, statt „Marienborn“. -
@fehlfarbe @ruebe5w
Alle, die Haus in DDR-Zeiten gebaut haben, haben interessante Materialherkunftgeschichten zu erzählen.
Das DDR Wort dazu hiess
"HOCHGEZOGEN"
In meinen Eltern steckt es immer noch drin - holen Kartoffeln/Mais/o.ä. von Feldern und fühlen sich dabei klandestin...@whose_nose
Ich hab "hochgezogen" bisher nie als DDR-Slang verstanden
aber Mais sammeln, trocknen und die Körner abpulen ("abbäbeln"), bis man Blasen an den Fingern hat, kenne ich auch noch sehr gut 
@ruebe5w -
an DDR-Besucher*innen aus dem Westen
Hattet ihr eigentlich nie Sorge nicht wieder rauszukommen?
Was passierte an der Grenze zur DDR und dann wieder von der DDR raus?
War Zeug reinschmuggeln möglich?
Wie seid ihr mit Parteilinie-Verwandtschaft umgegangen?
Ich fand‘s unangenehm. Die Grenzkontrollen vor allem. Ich war jedes Mal froh, wenn wir wieder „draußen“ waren.
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an DDR-Besucher*innen aus dem Westen
Hattet ihr eigentlich nie Sorge nicht wieder rauszukommen?
Was passierte an der Grenze zur DDR und dann wieder von der DDR raus?
War Zeug reinschmuggeln möglich?
Wie seid ihr mit Parteilinie-Verwandtschaft umgegangen?
@whose_nose Ich war noch relativ jung. Von daher keine Sorgen gemacht, ob man wieder raus kommt.
Bekannt war aber, dass wir vor Ort beobachtet worden sind. Wir waren, wenn wir zu Besuch waren, immer bei der Kusine meiner Mutter untergekommen. Wir mussten uns ja ins Hausbuch eintragen und auch umgehend bei der Polizei anmelden. Auffällig war dann, dass regelmäßig schwarze Autos mit jeweils zwei Herren drin vorm Haus standen. Diese waren Werder vor der Anreise, noch nach der Abreise dort.Die Kontrollen an der Grenze waren mal weniger intensiv, mal mehr. Nervig waren sie immer. Mulmiges Gefühl war immer.
Schmuggel? Naja, nie etwas kritisches mitgeführt. Lebensmittel waren immer dabei. Zwar auch Dinge die ungern gesehen waren, wie z.B. Frauenzeitschriften meiner Mutter, meine gesammelten Walt Disneys. Gab aber nie Probleme.Zur linientreuen Verwandtschaft gab es null Kontakt. Die kamen nach dem Mauerfall angeschissen wurden von uns aber sehr deutlich zur Hölle geschickt.
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@whose_nose
Ich bin 70ern/80ern im Amerikanischen Sektor von Berlin aufgewachsen. Meinem Vater war das Thema Deutsche Teilung/Deutsche Einheit immer ein großes Anliegen gewesen.Aus Reisen in sozialistische Länder während seiner Studienzeit hatte er Freunde in Dresden, die wir ca. 1x im Jahr besuchten, später auch entfernte Verwandte in Magdeburg.
@utrenkner @whose_nose Weißt du zufällig, wie Westberlin in den 80ern mit Lebensmitteln versorgt wurde? Ich hab mich das neulich gefragt aber nichts dazu gefunden. Also vor allem frische Sachen, wurden die vom Westen durch den Osten gebracht oder durfte Obst und Gemüse oder sowas auch aus dem Osten kommen?
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@whose_nose Ihre Enkelkinder haben sich teilweise in bizarre politische Lager geschlagen und auf unterschiedliche Arten das persönliche Scheitern inszeniert. Der Kontakt dort hin ist inzwischen verloren gegangen und ich weiss nicht, ob ich noch Einen wollen würde
@Muellers_Kabinett
Super spannend, eure Geschichten zu lesen!
@whose_nose -
@ruebe5w
Jaaa Fliesen waren der geile Shit. Es passiert mir jetzt noch, dass ich in Verschenkekisten Fliesen sehe und überlege, ob ich die noch umnutzen kann, weil geiler Shit... oh weh!
Und Bohrmaschinen und Walkmans.
Das heisst ihr hatten nach dem Auseinandernehmen dann nen Tetris-Moment - wie das alles wieder reinpassen soll .
Hat denn dann auch was gefehlt?@whose_nose
Keine Ahnung, ich muss Papa da nochmal zu aus fragen
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@utrenkner @whose_nose Weißt du zufällig, wie Westberlin in den 80ern mit Lebensmitteln versorgt wurde? Ich hab mich das neulich gefragt aber nichts dazu gefunden. Also vor allem frische Sachen, wurden die vom Westen durch den Osten gebracht oder durfte Obst und Gemüse oder sowas auch aus dem Osten kommen?
@snoopy_jay
Meines Wissens kam alles aus dem „Westen“ (nicht unbedingt als Himmelsrichtung, es gab natürlich auch Produkte aus anderswo gelegenen EG-Ländern wie Griechenland; oder von noch viel weiter weg).Regionale Produkte (aus dem Umland) gab es nicht.
Bin auch nicht sicher, ob die West-Alliierten das in größerem Stil zugelassen hätten. Die Sorge vor Abhängigkeiten saß seit der Blockade tief.
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@snoopy_jay
Meines Wissens kam alles aus dem „Westen“ (nicht unbedingt als Himmelsrichtung, es gab natürlich auch Produkte aus anderswo gelegenen EG-Ländern wie Griechenland; oder von noch viel weiter weg).Regionale Produkte (aus dem Umland) gab es nicht.
Bin auch nicht sicher, ob die West-Alliierten das in größerem Stil zugelassen hätten. Die Sorge vor Abhängigkeiten saß seit der Blockade tief.
@utrenkner Danke!
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an DDR-Besucher*innen aus dem Westen
Hattet ihr eigentlich nie Sorge nicht wieder rauszukommen?
Was passierte an der Grenze zur DDR und dann wieder von der DDR raus?
War Zeug reinschmuggeln möglich?
Wie seid ihr mit Parteilinie-Verwandtschaft umgegangen?
@whose_nose Über Schmuggel weiß ich nix, da war ich zu klein für. Aber ich durfte nichts zu Lesen mitnehmen, das fand ich doof.
Rein war immer ewig Warten vor der Grenze. Raus ging schneller, dafür drückten die Grenzer auch schon mal auf der Rückbank rum, könnte sich ja wer drin verstecken.