Ich bin froh über die Entscheidung meines Instituts, die Verwendung sogenannter KI-Tools in Studien- und Prüfungsleistungen vollständig zu verbieten.
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@astefanowitsch Schöne Überlegungen! Zumal sie auch zum Ausdruck bringen, wie Lernprozesse vonstatten gehen (hoffentlich habe ich alles richtig geschrieben)
@ingo _vonstattengehen_ wird seit 2004 als ein Wort geschrieben, aber dafür ziehe ich keine Punkte ab!
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@cwilcke Wir haben tatsächlich eine Grundsatzdebatte über ein radikales Umdenken bei Prüfungsformen begonnen — wir werden die Rolle von Hausarbeiten in Zukunft mindestens stark einschränken und mehr Prüfungsformen mit Präsenz und/oder Dokumentation von Zwischenergebnissen einführen. Da hier Prüfungsordnungen geändert werden müssen, wird das aber etwas länger dauern; in der Zwischenzeit justieren wir schon einmal die Bewertungskriterien so, dass der Einsatz von KI unattraktiver wird.
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Zum Beispiel, indem man sprachliche Korrektheit nicht in die Note einbezieht. Die Studierenden bekommen Feedback zu ihren Fehlern, aber keinen Punktabzug — schon gibt es keine Motivation mehr, den Text vor der Abgabe durch eine „KI“ korrigieren zu lassen. Oder, indem man weniger die Ergebnisse und mehr den Weg dahin zum Prüfungskriterium macht — schon ist es weniger attraktiv, ein KI-generiertes „Endprodukt“ abzugeben, weil man den Weg dahin sehr aufwändig fälschen müsste.
@astefanowitsch Applaus. In der Informatik gibt es durchaus ähnliche Stimmen, auch wenn die einen schweren Stand haben. Wie halten es andere philologische Institute? Seid ihr da eher Regel oder Ausnahme? Und wie denkst du über KI-Einsatz bei großen Datenmengen, etwa in der Korpuslinguistik?
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Ich bin froh über die Entscheidung meines Instituts, die Verwendung sogenannter KI-Tools in Studien- und Prüfungsleistungen vollständig zu verbieten. Keine „Prompt-Kompetenz“, kein „Man muss die KI nur *richtig* einsetzen“, kein „Wir können uns dem nicht verschließen“, sondern die einfache Erkenntnis, dass „KI“ das Gegenteil von dem ist, was unsere Studierenden lernen sollen. https://www.geisteswissenschaften.fu-berlin.de/we06/lehre_und_studium/Studium/Hinweise-zu-Hausarbeiten-und-Pruefungsleistungen/index.html
@astefanowitsch rein interessehalber: welches Problem löst man denn durch das Verbot dieses Werkzeuges?
Ich mein, gerade im geisteswissenschaftlichen Umfeld ist in allen beruflichen Bereichen doch die Benutzung von KI gang und gäbe. Das sollte in der Ausbildung doch auch zumindest thematisiert werden.
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Ich bin froh über die Entscheidung meines Instituts, die Verwendung sogenannter KI-Tools in Studien- und Prüfungsleistungen vollständig zu verbieten. Keine „Prompt-Kompetenz“, kein „Man muss die KI nur *richtig* einsetzen“, kein „Wir können uns dem nicht verschließen“, sondern die einfache Erkenntnis, dass „KI“ das Gegenteil von dem ist, was unsere Studierenden lernen sollen. https://www.geisteswissenschaften.fu-berlin.de/we06/lehre_und_studium/Studium/Hinweise-zu-Hausarbeiten-und-Pruefungsleistungen/index.html
@astefanowitsch sehr schön. Hab ich mal einem befreundeten prof weitgeleitet
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@astefanowitsch rein interessehalber: welches Problem löst man denn durch das Verbot dieses Werkzeuges?
Ich mein, gerade im geisteswissenschaftlichen Umfeld ist in allen beruflichen Bereichen doch die Benutzung von KI gang und gäbe. Das sollte in der Ausbildung doch auch zumindest thematisiert werden.
@michaelgiesler @astefanowitsch
> Ich mein, gerade im geisteswissenschaftlichen Umfeld ist in allen beruflichen Bereichen doch die Benutzung von KI gang und gäbe.
Gut zu wissen. Gleich mal Notiz an HR 'rausschicken: Keine Geisteswissenschaftler mehr einstellen, die machen eh' nix mehr selber.
/s
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Zum Beispiel, indem man sprachliche Korrektheit nicht in die Note einbezieht. Die Studierenden bekommen Feedback zu ihren Fehlern, aber keinen Punktabzug — schon gibt es keine Motivation mehr, den Text vor der Abgabe durch eine „KI“ korrigieren zu lassen. Oder, indem man weniger die Ergebnisse und mehr den Weg dahin zum Prüfungskriterium macht — schon ist es weniger attraktiv, ein KI-generiertes „Endprodukt“ abzugeben, weil man den Weg dahin sehr aufwändig fälschen müsste.
@astefanowitsch In der Schule erstellen meine Kids gerade Präsentationen. Sie müssen ihre Quellen auch durch Screenshots belegen.
Keine Punktabzüge in der Fremdsprache ist allerdings etwas unrealistisch -
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@michaelgiesler @astefanowitsch
> Ich mein, gerade im geisteswissenschaftlichen Umfeld ist in allen beruflichen Bereichen doch die Benutzung von KI gang und gäbe.
Gut zu wissen. Gleich mal Notiz an HR 'rausschicken: Keine Geisteswissenschaftler mehr einstellen, die machen eh' nix mehr selber.
/s
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Ich bin froh über die Entscheidung meines Instituts, die Verwendung sogenannter KI-Tools in Studien- und Prüfungsleistungen vollständig zu verbieten. Keine „Prompt-Kompetenz“, kein „Man muss die KI nur *richtig* einsetzen“, kein „Wir können uns dem nicht verschließen“, sondern die einfache Erkenntnis, dass „KI“ das Gegenteil von dem ist, was unsere Studierenden lernen sollen. https://www.geisteswissenschaften.fu-berlin.de/we06/lehre_und_studium/Studium/Hinweise-zu-Hausarbeiten-und-Pruefungsleistungen/index.html
@astefanowitsch Ich finde das insofern vernünftig als dass das eine Art Rechtssicherheit schafft. Ansonsten müsste der verantwortungsvolle Umgang mit diesen Tools Teil des Lehrplans werden.
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Ich bin froh über die Entscheidung meines Instituts, die Verwendung sogenannter KI-Tools in Studien- und Prüfungsleistungen vollständig zu verbieten. Keine „Prompt-Kompetenz“, kein „Man muss die KI nur *richtig* einsetzen“, kein „Wir können uns dem nicht verschließen“, sondern die einfache Erkenntnis, dass „KI“ das Gegenteil von dem ist, was unsere Studierenden lernen sollen. https://www.geisteswissenschaften.fu-berlin.de/we06/lehre_und_studium/Studium/Hinweise-zu-Hausarbeiten-und-Pruefungsleistungen/index.html
@astefanowitsch
Dieses Verbot ist wie der Streik von Vrumfondel und Magikweis (D. Adams - per Anhalter Durch Das Universum)
»Wir werden streiken«, schrie Vrumfondel.
»Genau!« stimmte ihm Magikweis zu. »Dann habt ihr einen landesweiten Philosophenstreik am Hals!«Deep Thought:
»Ich wollte lediglich sagen«, raunzte der Computer, »daß meine Schaltkreise jetzt unwiderruflich mit der Formulierung der Antwort auf die Letzte der Fragen nach dem Leben, dem Universum und allem beschäftigt sind, aber es wird ein bißchen dauern, ehe ich mit dem Programm durch bin.«Fook guckte ungeduldig auf seine Uhr.
»Wie lange etwa?« fragte er»Siebeneinhalb Millionen Jahre«, sagte Deep Thought.
»Siebeneinhalb Millionen Jahre…?« schrien sie im Chor.
»Ja«, tönte Deep Thought »ich sagte doch, ich muß darüber nachdenken, oder? Aber mir scheint, daß ein Programm wie dieses zwangsläufig ein enormes öffentliches Interesse an der ganzen Philosophie hervorrufen muß. Jedermann wird seine eigene Theorie darüber anstellen, mit welcher Antwort ich schließlich anrücken werde, und wer könnte aus diesem Rummel wohl besser Kapital schlagen als ihr selbst? Solange ihr euch nur heftig genug gegenseitig in den Haaren liegt und in der Presse runtermacht, und solange ihr Nachbeter habt, die ein bißchen clever sind, habt ihr doch für eure Zukunft ausgesorgt. Na, wie hört sich das an?«
Die beiden Philosophen starrten ihn an.
»Verdammt nochmal«, sagte Magikweis, »das nenn ich wirklich Denken. Sag mal, Vrumfondel, warum kommen wir eigentlich nie auf sowas?«
»Weißichnich«, sagte Vrumfondel in ehrfürchtigem Flüsterton, »vielleicht sind unsere Hirne zu hochtrainiert, Magikweis.«
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@astefanowitsch Ich finde das insofern vernünftig als dass das eine Art Rechtssicherheit schafft. Ansonsten müsste der verantwortungsvolle Umgang mit diesen Tools Teil des Lehrplans werden.
Dass es nicht Teil einer Prüfungsleistung ist, heißt ja nicht, da etwas nicht gelehrt werden darf oder wird.
Ich habe im Studium vieles gelernt, und vieles war wertvoll, aber nicht unbedingt Teil des berüchtigten "prüfungsrelevante Wissen"
@astefanowitsch -
@wortezimmer Ja, ich bin völlig glückselig — in meinem Arbeitsbereich machen wir das schon länger so, aber dass ein ganzes Institut (das in vielen anderen Bereichen intern sehr unterschiedliche Meinungen hat) sich darauf einigen kann, hätte ich nie gedacht! Wir sind am Fachbereich das erste und bisher einzige Institut mit einer so klaren Position (wir bekommen auch schon Gegenwind, aber da wir uns einig sind, kann der ruhig kommen)!
@astefanowitsch Ich freue mich sehr über Eure klare Haltung!
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@Bindestriche Eine reine Rechtschreibprüfung auf Wortebene wäre wohl geduldet, eine weitergehende sprachliche Prüfung (mit Grammatikprüfung, Paraphrasierungsvorschlägen usw.) auf jeden Fall nicht (bei OCR bin ich mir nicht sicher, inwiefern das Scannen eines Dokuments Teil einer Studien- oder Prüfungsleistung sein könnte). Das Verbot ist absichtlich sehr breit gefasst, damit Studierende sich im Zweifelsfall eine explizite Erlaubnis bei uns einholen.
@astefanowitsch Grammarly und Antidote, als „reine“ Korrekturprogramme bekommt man ja gar nicht mehr ohne GenKI, Zeug in MS-Word muss man explizit deaktivieren, wenn man es denn überhaupt kann und nicht Rückmeldungen einfach nur ignorieren muss. Wie realistisch ist so ein Verbot gegeben das generelle Vorhandensein überall? @Bindestriche
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@cwilcke Wir haben tatsächlich eine Grundsatzdebatte über ein radikales Umdenken bei Prüfungsformen begonnen — wir werden die Rolle von Hausarbeiten in Zukunft mindestens stark einschränken und mehr Prüfungsformen mit Präsenz und/oder Dokumentation von Zwischenergebnissen einführen. Da hier Prüfungsordnungen geändert werden müssen, wird das aber etwas länger dauern; in der Zwischenzeit justieren wir schon einmal die Bewertungskriterien so, dass der Einsatz von KI unattraktiver wird.
@astefanowitsch @cwilcke Klingt soweit gut und sinnvoll. Das Problem mit den Studierenden, die mit Prüfungssituationen in Präsenz schlechter zurechtkommen, habt ihr sicher auch im Blick?
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@astefanowitsch rein interessehalber: welches Problem löst man denn durch das Verbot dieses Werkzeuges?
Ich mein, gerade im geisteswissenschaftlichen Umfeld ist in allen beruflichen Bereichen doch die Benutzung von KI gang und gäbe. Das sollte in der Ausbildung doch auch zumindest thematisiert werden.
@michaelgiesler @astefanowitsch
Eine große Stärke der Geisteswissenschaften ist, dass im Studium Soft Skills wie Recherche, Diskussionsfähigkeit, Textverständnis, Strukturverständnis, ... vermittelt werden.
Diese Soft Skills entwickelt man aber vor allem durch mühsame Recherche, Auseinandersetzung mit Quellen, Formulierung von Argumenten und Texten und der Strukturierung von Ergebnissen.
Das Schreiben von Hausarbeiten ist nicht der Zweck, sondern nur Mittel zum Zweck im Studium.
Wenn eine KI das alles per Knopfdruck übernimmt, geht jeglicher Lerneffekt verloren.
Damit Kinder ein Verständnis für Zahlen entwickeln, gibt man ihnen auch nicht ab Klasse 1 ein Taschenrechner in die Hand, sondern lässt sie zuerst für mehrere Jahre auf dem Papier/ im Kopf rechnen.
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Weil im Thread mehrfach nach Möglichkeiten der Überprüfung gefragt wird (seht auch meine Antworten dort), hier ein wichtiger Gedanke: Es geht nicht vorrangig darum, Studierende im Nachhinein zu überführen, sondern darum, sie von vornherein davon abzuhalten, überhaupt „KI“ zu verwenden. Das geht manchmal mit sehr einfachen Mitteln:
@astefanowitsch Das setzt alles voraus, dass „die KI“ eine eigenständige zusätzliche Anwendung ist, die man explizit starten und benutzen muss. Oder dann eben nicht benutzen darf
Je mehr integriert wird, und nicht als Feature, sondern ständig im Hintergrund laufend, desto schwieriger. Mini-Beispiel: was machen mit der Literaturrechrche, wenn das Suchsystem der Hochschulbibliothek ein angepasstes LLM in die Keyword-Suche integriert? Wenn das Repositorium generierte Zusammenfassungen anbietet?
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Ich bin froh über die Entscheidung meines Instituts, die Verwendung sogenannter KI-Tools in Studien- und Prüfungsleistungen vollständig zu verbieten. Keine „Prompt-Kompetenz“, kein „Man muss die KI nur *richtig* einsetzen“, kein „Wir können uns dem nicht verschließen“, sondern die einfache Erkenntnis, dass „KI“ das Gegenteil von dem ist, was unsere Studierenden lernen sollen. https://www.geisteswissenschaften.fu-berlin.de/we06/lehre_und_studium/Studium/Hinweise-zu-Hausarbeiten-und-Pruefungsleistungen/index.html
@astefanowitsch Sehr gut, Glückwunsch (geschrieben von einem Angestellten einer Universität, deren Präsident sich darin gefällt, regelmäßig laute und unsachkundige „Hurra hurra AI ist die Zukunft“-Op-eds in diversen Medien zu veröffentlichen)
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@michaelgiesler @astefanowitsch
Eine große Stärke der Geisteswissenschaften ist, dass im Studium Soft Skills wie Recherche, Diskussionsfähigkeit, Textverständnis, Strukturverständnis, ... vermittelt werden.
Diese Soft Skills entwickelt man aber vor allem durch mühsame Recherche, Auseinandersetzung mit Quellen, Formulierung von Argumenten und Texten und der Strukturierung von Ergebnissen.
Das Schreiben von Hausarbeiten ist nicht der Zweck, sondern nur Mittel zum Zweck im Studium.
Wenn eine KI das alles per Knopfdruck übernimmt, geht jeglicher Lerneffekt verloren.
Damit Kinder ein Verständnis für Zahlen entwickeln, gibt man ihnen auch nicht ab Klasse 1 ein Taschenrechner in die Hand, sondern lässt sie zuerst für mehrere Jahre auf dem Papier/ im Kopf rechnen.
@goblin
Nichtsdestotrotz wird in der Schule IMMER auch das Werkzeug "Taschenrechner" verwendet und den Schüler*innen der Umgang damit beigebracht.
Der Thread hier sprach aber von einem vollständigen Verbot.Etwas sarkastisch drängt es mich zu fragen, ob auch ein Verbot von Computern erwogen wurde, damit man manuelle Recherche in den Büchereien und Registerkästen lernt.
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@goblin
Nichtsdestotrotz wird in der Schule IMMER auch das Werkzeug "Taschenrechner" verwendet und den Schüler*innen der Umgang damit beigebracht.
Der Thread hier sprach aber von einem vollständigen Verbot.Etwas sarkastisch drängt es mich zu fragen, ob auch ein Verbot von Computern erwogen wurde, damit man manuelle Recherche in den Büchereien und Registerkästen lernt.
@michaelgiesler @astefanowitsch
Das Durchwühlen eines Archivregisters ist kein Soft Skill, der heute noch relevant ist (bis auf wenige Ausnahmen).
All das, was mit dem Recherchieren, Auseinandersetzen und Schreiben von Texten einhergeht, allerdings schon.
Dass ein LLM nur als Werkzeug eingesetzt wird, ist im best case möglich, aber in der Praxis unwahrscheinlich, weil die Anreize für Missbrauch sehr hoch sind.
Bei einem LLM kann man einfach die Aufgabenstellung des Dozenten in das Promptfenster einfügen. Mit dem daraus entstehenden Text muss sich dann der Dozent herumschlagen. Da die Korrektur aber gar nicht die Leistung des Studierenden betrifft, verpufft der Aufwand des Dozenten wirkungslos.
Das nutzt dem Studi nichts und verschwendet die Zeit des Dozenten. -
@astefanowitsch rein interessehalber: welches Problem löst man denn durch das Verbot dieses Werkzeuges?
Ich mein, gerade im geisteswissenschaftlichen Umfeld ist in allen beruflichen Bereichen doch die Benutzung von KI gang und gäbe. Das sollte in der Ausbildung doch auch zumindest thematisiert werden.
@michaelgiesler Man löst das Problem, dass die Studierenden das eigene Denken und Handeln outsourcen, und noch dazu an einen Textgenerator, der ein Denken und Handeln dann nur oberflächlich simuliert. Ob der Einsatz von KI im geisteswissenschaftlichen Umfeld gang und gäbe ist, würde ich jetzt erstmal dahingestellt sein lassen — aber selbst, wenn es so wäre, wäre dieser Einsatz falsch und kein Grund, sich dem anzuschließen.