an DDR-Besucher*innen aus dem Westen
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an DDR-Besucher*innen aus dem Westen
Hattet ihr eigentlich nie Sorge nicht wieder rauszukommen?
Was passierte an der Grenze zur DDR und dann wieder von der DDR raus?
War Zeug reinschmuggeln möglich?
Wie seid ihr mit Parteilinie-Verwandtschaft umgegangen?
@whose_nose 11 Stunden mit dem Zug von Stuttgart nach Berlin. Wenn die Grenzer in Probstzella durch die Waggons gingen war das schon einschüchternd. Man hat nicht gewagt, irgendwas Falsches zu sagen und hat aufgeatmet, wenn die wieder aus dem Zug waren. Und mit dem Auto jeeeedesmal die Frage: "Hamse Kinder dabei?" (Jetzt bloß ich den dummen Scherz machn:“ Nich, dass ich wüsste... " sonst wirste rausgezogen

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@whose_nose mir dann zuhause erklärte wie ich es verstehen müsste. Ich war 12 bei meinem ersten Besuch dort. Sie hatte übrigens zwei Schuhkartons voller Orden, die sie für ihre Leistungen erhalten hatte - sie zeigte sie mir mit den Worten 'such Dir was Schönes raus - so viele Jacken hab ich gar nicht das ich sie alle tragen könnte'
@Muellers_Kabinett
und haste davon was mitgenommen? Hammer und Sichel sind ja gerade sehr im Trend bei der U18.
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@whose_nose Die Tante war im Rentenalter öfters bei uns im Westen zu Besuch - sie witzelte immer das sie nun ganz leicht und schnell eine Reisbewilligung bekäme, weil die in der DDR hoffen würden das sie bei der Verwandschaft im Westen bliebe und so dem Staat nicht mehr auf der Tasche läge. Sie hatte aber immer die Mission, aktuelle Schallplatten mit Pop-Musik für den Enkel zu schmuggeln. von ihr habe ich gelernt, wie man mehrere LP's am Rücken unter einem Korsett verbirgt

@Muellers_Kabinett
oh jetzt wird es spannend. Hast du da noch mehr Erinnerungen zu "Verstecken"?LPs... Ich vermute mal nicht die kleinen, sondern die normal großen.
Na immerhin wars im Winter dann schön warm am Rücken. -
@whose_nose 11 Stunden mit dem Zug von Stuttgart nach Berlin. Wenn die Grenzer in Probstzella durch die Waggons gingen war das schon einschüchternd. Man hat nicht gewagt, irgendwas Falsches zu sagen und hat aufgeatmet, wenn die wieder aus dem Zug waren. Und mit dem Auto jeeeedesmal die Frage: "Hamse Kinder dabei?" (Jetzt bloß ich den dummen Scherz machn:“ Nich, dass ich wüsste... " sonst wirste rausgezogen

@MartinaBrandl
Ähnlich humorbefreit waren die Grenzer*innen auch an binnensozialistischen Grenzen.
Die haben uns Kinder immer ganz genau angeschaut.
Vermutlich war Ostberlin hipper als tiefe DDR hier in Dresden. -
@Muellers_Kabinett
Oha. DAS ist gruselig. Als junger Mensch solchen Techniken ausgesetzt zu sein.
Wenn wir von der DDR ins sozial. Ausland gefahren sind, mussten wir an der Grenze auch immer sagen, was wir dort vorhätten.
Urlaub. Aber ich hatte immer das schale Gefühl, dass sie uns generalverdächtigten und nicht glauben würden.@whose_nose es gibt einen recht schönen Film von Wieland Speck, namens 'Westler' aus dem Jahr 1985, der die Geschichte eine Liebe zweiter junger Männer erzählt - der Eine aus Westberlin, der andere aus Ostberlin - Der Film stahlt viel Nähe und Authentizität wieder da tatsächlich mit West und Ost-Dartellern - die meisten Laien im Westen und Osten (mit verborgener Kamera oder als Touristen getarnt) gedreht wurde.
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@whose_nose es gibt einen recht schönen Film von Wieland Speck, namens 'Westler' aus dem Jahr 1985, der die Geschichte eine Liebe zweiter junger Männer erzählt - der Eine aus Westberlin, der andere aus Ostberlin - Der Film stahlt viel Nähe und Authentizität wieder da tatsächlich mit West und Ost-Dartellern - die meisten Laien im Westen und Osten (mit verborgener Kamera oder als Touristen getarnt) gedreht wurde.
@whose_nose Der Unterschied der Lebensumstände und wie die Menschen sich verhalten ist in diesem Film sehr deutlich zu sehen. Wieland Speck durfte nach Erscheinen des Films dann auch nicht mehr in die DDR einreisen - möglicherweise auch, weil das Ende des Films war das die Leute aus dem Westen dem jungen Mann aus dem Osten eine Flucht über Ungarn organisierten, damit sie dauerhaft zusammen kamen.
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@whose_nose Der Unterschied der Lebensumstände und wie die Menschen sich verhalten ist in diesem Film sehr deutlich zu sehen. Wieland Speck durfte nach Erscheinen des Films dann auch nicht mehr in die DDR einreisen - möglicherweise auch, weil das Ende des Films war das die Leute aus dem Westen dem jungen Mann aus dem Osten eine Flucht über Ungarn organisierten, damit sie dauerhaft zusammen kamen.
@whose_nose Eine Szene, die mir im Gedächtnis blieb, war der Grenzübertritt rüber und zurück am Übergang Zoo im 'Palast der Tränen'. In dem Film immer als eine 'wenn jetzt was schief läuft, wird alles ganz schrecklich'-Szene
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@whose_nose es gibt einen recht schönen Film von Wieland Speck, namens 'Westler' aus dem Jahr 1985, der die Geschichte eine Liebe zweiter junger Männer erzählt - der Eine aus Westberlin, der andere aus Ostberlin - Der Film stahlt viel Nähe und Authentizität wieder da tatsächlich mit West und Ost-Dartellern - die meisten Laien im Westen und Osten (mit verborgener Kamera oder als Touristen getarnt) gedreht wurde.
@Muellers_Kabinett
Das klingt spannend.Meine Mutter hat mit Personaldaten zu tun gehabt und ihr war verboten Altpapier mit nach Hause zu bringen. (Es gab ja Lohnabrechnungen für Sportler*innen, die nie in der Bude gearbeitet hatten)
Naja - als Upcyclingbewusste DDR Bürgerin hat sie natürlich wiederverwendet und es gib ne Menge Kinderzeichnungen von mir mit Personalsensiblen Daten drauf.
Das war ihre Art des fuck you an den Staat. Wir waren ja systemkritisch... -
@Muellers_Kabinett
oh jetzt wird es spannend. Hast du da noch mehr Erinnerungen zu "Verstecken"?LPs... Ich vermute mal nicht die kleinen, sondern die normal großen.
Na immerhin wars im Winter dann schön warm am Rücken.@whose_nose die besagen Orden - ich hatte mir zwei Hände voll raus gesucht - wurde bei unserer Rückreise im Kulturbeutel meiner Mutter versteckt. Der Mann der 'Tante' züchtete Kakarienvögel (übrigens eine damals begehrte Konversionswährung) und wir nahmen bei dem damaligen Besuch einen dieser Vögel in einem winzigen Vogelkäfig mit - damit der Vogel nicht an der Grenze plötzlich zu singen anfing, wurde der Käfig in mehrere Lagen Badetücher eingewickelt,
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@whose_nose die besagen Orden - ich hatte mir zwei Hände voll raus gesucht - wurde bei unserer Rückreise im Kulturbeutel meiner Mutter versteckt. Der Mann der 'Tante' züchtete Kakarienvögel (übrigens eine damals begehrte Konversionswährung) und wir nahmen bei dem damaligen Besuch einen dieser Vögel in einem winzigen Vogelkäfig mit - damit der Vogel nicht an der Grenze plötzlich zu singen anfing, wurde der Käfig in mehrere Lagen Badetücher eingewickelt,
@whose_nose damit er nichts hörte was ihn triggerte und damit es dunkel war. Der Vogel war übrigens ein Tausch gegen 20 Zündkerzen von Bosch, mit denen der Onkel anschließen wichtige Teile zur Reparatur seines betagten Wartburgs organisieren konnte
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@whose_nose damit er nichts hörte was ihn triggerte und damit es dunkel war. Der Vogel war übrigens ein Tausch gegen 20 Zündkerzen von Bosch, mit denen der Onkel anschließen wichtige Teile zur Reparatur seines betagten Wartburgs organisieren konnte
@Muellers_Kabinett
Stark -
mein Vater musste eine Schlagbohrmaschine gegen einen Westwalkman tauschen. Verwandtschaft kann manchmal ganz schön mies sein.
Der Walkman hat sicherlich wenig gekostet im Verhältnis zur DDr-Bohrmaschine.
Aber hey - wir haben selten eine Bravo bekommen, deren Plakate für 20 DDr-Mark in der Klasse vertickt worden sind.Habt ihr dann eigentlich immer Stollen zu Weihnachten geschickt bekommen?
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@Muellers_Kabinett
Das klingt spannend.Meine Mutter hat mit Personaldaten zu tun gehabt und ihr war verboten Altpapier mit nach Hause zu bringen. (Es gab ja Lohnabrechnungen für Sportler*innen, die nie in der Bude gearbeitet hatten)
Naja - als Upcyclingbewusste DDR Bürgerin hat sie natürlich wiederverwendet und es gib ne Menge Kinderzeichnungen von mir mit Personalsensiblen Daten drauf.
Das war ihre Art des fuck you an den Staat. Wir waren ja systemkritisch...@whose_nose ich glaube, diese Momente der kleinen Rache brauchte es um sich etwas besser zu fühlen. Die Worte der Tante beim Besuch des Konsum, als wir vor dem Gemüse-Regal standen, in dem traurige Kartoffeln vor sich in schrumpelten und Kohlköpfe wenig angenehm rochen, waren allen Ernstes: 'komm, ich zeig Dir, welche Segnungen der Sozialismus in Makranstädt für die Bürger der DDR bereit hält...'
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@whose_nose ich glaube, diese Momente der kleinen Rache brauchte es um sich etwas besser zu fühlen. Die Worte der Tante beim Besuch des Konsum, als wir vor dem Gemüse-Regal standen, in dem traurige Kartoffeln vor sich in schrumpelten und Kohlköpfe wenig angenehm rochen, waren allen Ernstes: 'komm, ich zeig Dir, welche Segnungen der Sozialismus in Makranstädt für die Bürger der DDR bereit hält...'
@whose_nose Der ganze Laden war war so surreal im Zusammenhang mit ihren Lobäußerungen das ich überhaupt nicht mit der Situation umgehen konnte. Besonders beeindruckend waren auch das Konserveregal mit Dosen, deren Etiketten sich abgelöst hatten und vor dem Regal auf dem Boden lagen - quasi eine Konserven-Lotterie, und ganz besonders die gefühlt 10 Regalmeter harte Spirituosen - übrigens das einzige, prall gefüllte Regal
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an DDR-Besucher*innen aus dem Westen
Hattet ihr eigentlich nie Sorge nicht wieder rauszukommen?
Was passierte an der Grenze zur DDR und dann wieder von der DDR raus?
War Zeug reinschmuggeln möglich?
Wie seid ihr mit Parteilinie-Verwandtschaft umgegangen?
@whose_nose Es war lang und nervenaufreibend. Ich hatte als Kind einfach Angst vor dem Auftreten der Grenzsoldaten.
Reinschmuggeln war schwierig, das Auto wurde durchsucht, inklusive Spürhunde und Spiegel, um unter das Auto zu sehen.
Die Geschenke für meine Cousins und Cousinen wurden meistens konfisziert, speziell Medien wie Fußballzeitschriften oder so. Mit spitzen Fingern, ausgestrecktem Arm und gerümpfter Nase.
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@whose_nose Der ganze Laden war war so surreal im Zusammenhang mit ihren Lobäußerungen das ich überhaupt nicht mit der Situation umgehen konnte. Besonders beeindruckend waren auch das Konserveregal mit Dosen, deren Etiketten sich abgelöst hatten und vor dem Regal auf dem Boden lagen - quasi eine Konserven-Lotterie, und ganz besonders die gefühlt 10 Regalmeter harte Spirituosen - übrigens das einzige, prall gefüllte Regal
@Muellers_Kabinett
Die DDR-Tampons waren im wahrsten Sinne der Hammer.
Ich wollte nie menstruieren, weil diese Monster so groß waren.
Ans Koservenlotto kann ich mich nicht erinnern, aber umso lebendiger an den Milchbottich - die Milch war literweise in Tüten drin. und der Bottich mit den Tüten stand immer unter MilchWasser.
Als Kind musste ich immer feste auf die Verpackung drücken um zu checken, ob ich eine unversehrte Packung erwischt habe. Wenn ich Pech hatte, kam mir eine Fontäne entgegen .
Der Geruch von Milch und dem metalischem Geruch des Einkaufswagen ist mir heute noch erinnerlich.
Und die Alk-Regal.
Und Kubaorangen - grüne unreife Früchte - wir haben sie trotzem gegessen. -
@Muellers_Kabinett
Stark -
mein Vater musste eine Schlagbohrmaschine gegen einen Westwalkman tauschen. Verwandtschaft kann manchmal ganz schön mies sein.
Der Walkman hat sicherlich wenig gekostet im Verhältnis zur DDr-Bohrmaschine.
Aber hey - wir haben selten eine Bravo bekommen, deren Plakate für 20 DDr-Mark in der Klasse vertickt worden sind.Habt ihr dann eigentlich immer Stollen zu Weihnachten geschickt bekommen?
@whose_nose Der Stollen war Programm - die Zutaten wurden teilweise in getrennten Paketen im Spätsommer nach Leipzig geschickt - und zwar an die Dienststelle der Tante. Dann gab es Ankündigungsbriefe in denen explizit erwähnt wurde, mit welcher Freude die Mutter der Tante sich an die Zubereitung des Teigs machte, und Anfang der Adventszeit trudelte dann das Paket mit dem Monstrum ein - 20 Kilo Paket, davon entfielen 10 auf den Stollen. Es war immer irgendwas für jeden von uns drin, teils selbst
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@whose_nose Der Stollen war Programm - die Zutaten wurden teilweise in getrennten Paketen im Spätsommer nach Leipzig geschickt - und zwar an die Dienststelle der Tante. Dann gab es Ankündigungsbriefe in denen explizit erwähnt wurde, mit welcher Freude die Mutter der Tante sich an die Zubereitung des Teigs machte, und Anfang der Adventszeit trudelte dann das Paket mit dem Monstrum ein - 20 Kilo Paket, davon entfielen 10 auf den Stollen. Es war immer irgendwas für jeden von uns drin, teils selbst
@whose_nose gebastelt oder gestrickt und auch schon mal in wilden Tauschaktionen besorgt - kleine Schnitzfiguren aus dem Erzgebirge oder so spisselige. zerbrechliche Vasen und Figürchen aus Glas. Ich habe als Kind nicht verstanden, wie viel Aufwand im Inhalt dieser Pakete stecke und schon gar nicht, welch ein Gewese meine Eltern um den Schutz dieser Dinge bei uns Zuhause machten - ich fand das Zeug nicht schön und die Pullover der Tante haben unheimlich gekratzt
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@whose_nose Es war lang und nervenaufreibend. Ich hatte als Kind einfach Angst vor dem Auftreten der Grenzsoldaten.
Reinschmuggeln war schwierig, das Auto wurde durchsucht, inklusive Spürhunde und Spiegel, um unter das Auto zu sehen.
Die Geschenke für meine Cousins und Cousinen wurden meistens konfisziert, speziell Medien wie Fußballzeitschriften oder so. Mit spitzen Fingern, ausgestrecktem Arm und gerümpfter Nase.
@nachtet
beängstigend.
Ich ärgere mich, dass ich die DDR-Optik nicht fotographisch festgehalten habe.
Da war ja fast die ganze Stadt ein lost place...
Badewannen auf dem Dachboden, die das Wasser des undichten Daches auffingen, Plumsklo bei Oma, aber auch die Handwasserpumpen am Brunnen usw. -
@whose_nose Der Stollen war Programm - die Zutaten wurden teilweise in getrennten Paketen im Spätsommer nach Leipzig geschickt - und zwar an die Dienststelle der Tante. Dann gab es Ankündigungsbriefe in denen explizit erwähnt wurde, mit welcher Freude die Mutter der Tante sich an die Zubereitung des Teigs machte, und Anfang der Adventszeit trudelte dann das Paket mit dem Monstrum ein - 20 Kilo Paket, davon entfielen 10 auf den Stollen. Es war immer irgendwas für jeden von uns drin, teils selbst
@Muellers_Kabinett
ja - damals haste alle Zutaten zurm Bäcker*in gebracht und die haben gebacken.
Mir schmeckt nur kein Stollen und ich frage mich, ob das euch auch so ging.Eh und kein Telefon - alles wurde Wochen vorher in Stein gehauen - per Brief.
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@Muellers_Kabinett
Die DDR-Tampons waren im wahrsten Sinne der Hammer.
Ich wollte nie menstruieren, weil diese Monster so groß waren.
Ans Koservenlotto kann ich mich nicht erinnern, aber umso lebendiger an den Milchbottich - die Milch war literweise in Tüten drin. und der Bottich mit den Tüten stand immer unter MilchWasser.
Als Kind musste ich immer feste auf die Verpackung drücken um zu checken, ob ich eine unversehrte Packung erwischt habe. Wenn ich Pech hatte, kam mir eine Fontäne entgegen .
Der Geruch von Milch und dem metalischem Geruch des Einkaufswagen ist mir heute noch erinnerlich.
Und die Alk-Regal.
Und Kubaorangen - grüne unreife Früchte - wir haben sie trotzem gegessen.@whose_nose Die Milchschläuche und das Testverfahren wurde mir auch im Konsum vorgeführt. Die Kuba-Orangen wurden einmal erwähnt als meine Eltern Orangen zur Messe mitgebracht hatten ich fand es faszinierend, das es anscheinend Orangen gab, an denen man sich verletzen konnte