an DDR-Besucher*innen aus dem Westen
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an DDR-Besucher*innen aus dem Westen
Hattet ihr eigentlich nie Sorge nicht wieder rauszukommen?
Was passierte an der Grenze zur DDR und dann wieder von der DDR raus?
War Zeug reinschmuggeln möglich?
Wie seid ihr mit Parteilinie-Verwandtschaft umgegangen?
Ich bin als 18jährige als Betreuerin einer Jugendgruppe eines Sportvereins mit dem Bus über die Grenze gefahren.
Die Grenzer fand ich etwas steif.
Aber schlimm war, dass der Bus total lange (mit lf. Motor) auf der Stelle stand.
Mir ist übel geworden, ich durfte an die frische Luft und habe dem Grenzer buchstäblich vor die Füße gekotzt!
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an DDR-Besucher*innen aus dem Westen
Hattet ihr eigentlich nie Sorge nicht wieder rauszukommen?
Was passierte an der Grenze zur DDR und dann wieder von der DDR raus?
War Zeug reinschmuggeln möglich?
Wie seid ihr mit Parteilinie-Verwandtschaft umgegangen?
Kaffee & Schokolade wurde "geschmuggelt" im Koffer im Interzonenverkehr auf der Schiene, das war "unproblematisch". Dafür wurde aber auch der ganze Zug von bewaffneten DDR-Grenzen 2-4 Std auf Links gedreht.
Das sind so Sachen, die sich auch einem 4-jährigen ins Gehirn einbrennen. -
an DDR-Besucher*innen aus dem Westen
Hattet ihr eigentlich nie Sorge nicht wieder rauszukommen?
Was passierte an der Grenze zur DDR und dann wieder von der DDR raus?
War Zeug reinschmuggeln möglich?
Wie seid ihr mit Parteilinie-Verwandtschaft umgegangen?
@whose_nose Ich war ein Kind (etwa 4 Jahre alt) als wir in die DDR gereist sind. Es existieren selbstverständlich viele Geschichten von diesem Ausflug, aber echte konkrete Erinnerungen hab' ich nicht...Mein Vater hatte sehr große Angst verhaftet zu werden. Diese Angst hatte er bis zum 9. November 1989. Ich erinnere mich noch, dass ich abends nach Hause kam und mein Vater stand weinend vor der Haustür und sagte irgendwas von wegen Mauer ist gefallen. 1/2
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@whose_nose Ich war ein Kind (etwa 4 Jahre alt) als wir in die DDR gereist sind. Es existieren selbstverständlich viele Geschichten von diesem Ausflug, aber echte konkrete Erinnerungen hab' ich nicht...Mein Vater hatte sehr große Angst verhaftet zu werden. Diese Angst hatte er bis zum 9. November 1989. Ich erinnere mich noch, dass ich abends nach Hause kam und mein Vater stand weinend vor der Haustür und sagte irgendwas von wegen Mauer ist gefallen. 1/2
@whose_nose Dann hat er mich umarmt und weiter geweint. Er hat sich halt die Vorgänge um den 17.Juni mitbekommen und per Brief bei Walter Ulbricht protestiert als Jugendlicher und hatte offenbar danach bis zum Zusammenbruch der DDR Angst, dass die kommen und ihn holen. Für mich als Kind eine absolut irrationale Angst...
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@whose_nose Über Schmuggel weiß ich nix, da war ich zu klein für. Aber ich durfte nichts zu Lesen mitnehmen, das fand ich doof.
Rein war immer ewig Warten vor der Grenze. Raus ging schneller, dafür drückten die Grenzer auch schon mal auf der Rückbank rum, könnte sich ja wer drin verstecken.
@whose_nose Was die linientreue Verwandtschaft angeht: Meine Eltern waren 1988 zur Beerdigung meines Uropas "drüben" und dieser eine Großonkel, Vopo und immer zu 150 % auf Linie, erzählte einen DDR-Witz. Da wussten sie, mit dem Laden gehts zuende.
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an DDR-Besucher*innen aus dem Westen
Hattet ihr eigentlich nie Sorge nicht wieder rauszukommen?
Was passierte an der Grenze zur DDR und dann wieder von der DDR raus?
War Zeug reinschmuggeln möglich?
Wie seid ihr mit Parteilinie-Verwandtschaft umgegangen?
@whose_nose Ich bin einmal, 1988 mit Mutter und kleinem Bruder Verwandtschaft in Schwerin besuchen gefahren. Meine Mutter erschrak bisschen über die zwei MickyMaus-Hefte, die ich trotz Verbots dabei hatte, ich kann mich nicht erinnern, ob sie uns abgenommen wurden oder nicht. Einreise ging relativ schnell, wir hatten auch wirklich nicht viel dabei.
Mein kleiner Bruder fragte meine Mutter in Schwerin, ob da noch Krieg sei, so schlimm sah das aus dort.
Meine Mutter hatte wohl recht viel Angst, sie war '61 kurz vor Mauerbau geflohen, aber es passierte nichts. Meine Tante instruierte uns, nichts über die DDR o.ä. zu fragen. -
@whose_nose Ich bin einmal, 1988 mit Mutter und kleinem Bruder Verwandtschaft in Schwerin besuchen gefahren. Meine Mutter erschrak bisschen über die zwei MickyMaus-Hefte, die ich trotz Verbots dabei hatte, ich kann mich nicht erinnern, ob sie uns abgenommen wurden oder nicht. Einreise ging relativ schnell, wir hatten auch wirklich nicht viel dabei.
Mein kleiner Bruder fragte meine Mutter in Schwerin, ob da noch Krieg sei, so schlimm sah das aus dort.
Meine Mutter hatte wohl recht viel Angst, sie war '61 kurz vor Mauerbau geflohen, aber es passierte nichts. Meine Tante instruierte uns, nichts über die DDR o.ä. zu fragen.@whose_nose Rückreise war krasser. Spiegel unter das Auto, Rückbank durchgedrückt, überall reingekrabbelt. Dabei war es ein winziger Polo. Dauerte etwas. Mutter war sichtlich erleichtert, als wir da durch waren.
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an DDR-Besucher*innen aus dem Westen
Hattet ihr eigentlich nie Sorge nicht wieder rauszukommen?
Was passierte an der Grenze zur DDR und dann wieder von der DDR raus?
War Zeug reinschmuggeln möglich?
Wie seid ihr mit Parteilinie-Verwandtschaft umgegangen?
@whose_nose
Ich hatte 1975 ein ziemlich schreckliches Erlebnis in Berlin:
Mit 18 war ich mit einer Gruppe dort. Ausflug nach Ost-Berlin. Hin kein Problem. Wir waren auch brav: kein illegaler Geldumtausch. Unsere Ostmark haben wir v.a. in der großen Buchhandlung Nähe Alex gelassen.
Ich war erkältet & wollte früher zurück als die anderen. Die gaben mir ihre gekauften Sachen mit, weil sie noch weiter wollten.
Am Grenzübergang wurde ich festgehalten: zuviel Waren - keine Quittung. Meine ...
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@whose_nose
Ich hatte 1975 ein ziemlich schreckliches Erlebnis in Berlin:
Mit 18 war ich mit einer Gruppe dort. Ausflug nach Ost-Berlin. Hin kein Problem. Wir waren auch brav: kein illegaler Geldumtausch. Unsere Ostmark haben wir v.a. in der großen Buchhandlung Nähe Alex gelassen.
Ich war erkältet & wollte früher zurück als die anderen. Die gaben mir ihre gekauften Sachen mit, weil sie noch weiter wollten.
Am Grenzübergang wurde ich festgehalten: zuviel Waren - keine Quittung. Meine ...
1/2@whose_nose
... Erklärung, die Sachen gehörten mir nicht allein, akzeptierten die Grenzer nicht. Von Geldwäsche war die Rede, Unterlaufen des Finanzsystems der DDR & Anklagen mehr.
Es war Spätnachmittag, ich fühlte mich krank.
Sie haben mich 2 h verhört, sehr unfreundlich & barsch, und mich festgehalten.
Als der Grenzübergang nachts schloss, haben sie mich einfach rausgeschmissen. Ich stand im Regen im Dunkeln völlig fertig, erschöpft & krank & musste sehen, wie ich in unsere Unterkunft kam. -
@whose_nose
Ich hab "hochgezogen" bisher nie als DDR-Slang verstanden
aber Mais sammeln, trocknen und die Körner abpulen ("abbäbeln"), bis man Blasen an den Fingern hat, kenne ich auch noch sehr gut 
@ruebe5w@fehlfarbe
ich frage mal Menschen zum Hochziehen. Ich bin gespannt. Die Leute im Westen haben vermutlich nicht kategorisch so viel Zeug von Arbeit eingesackt.
Abbäbeln - oh das habe ich lange nicht gehört.
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@whose_nose Ich war noch relativ jung. Von daher keine Sorgen gemacht, ob man wieder raus kommt.
Bekannt war aber, dass wir vor Ort beobachtet worden sind. Wir waren, wenn wir zu Besuch waren, immer bei der Kusine meiner Mutter untergekommen. Wir mussten uns ja ins Hausbuch eintragen und auch umgehend bei der Polizei anmelden. Auffällig war dann, dass regelmäßig schwarze Autos mit jeweils zwei Herren drin vorm Haus standen. Diese waren Werder vor der Anreise, noch nach der Abreise dort.Die Kontrollen an der Grenze waren mal weniger intensiv, mal mehr. Nervig waren sie immer. Mulmiges Gefühl war immer.
Schmuggel? Naja, nie etwas kritisches mitgeführt. Lebensmittel waren immer dabei. Zwar auch Dinge die ungern gesehen waren, wie z.B. Frauenzeitschriften meiner Mutter, meine gesammelten Walt Disneys. Gab aber nie Probleme.Zur linientreuen Verwandtschaft gab es null Kontakt. Die kamen nach dem Mauerfall angeschissen wurden von uns aber sehr deutlich zur Hölle geschickt.
@AlienJay
Hausbuch + Polizeianmeldung
Da muss ich gleich mal meine Westtante anrufen.
Danke - das habe ich nicht gewusst.
Die Autos wären sehr aufgefallen, hätten sie vor unserer Tür gestanden. Ich war aber noch zu klein als das ich es überhaupt gemerkt hätte.Es gab so wenig Autos - alte Fotos zeigen vereinzelt Autos am Strassenrand.
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@Muellers_Kabinett
Super spannend, eure Geschichten zu lesen!
@whose_nose@ruebe5w @Muellers_Kabinett
ich lerne auch gerade viel dazu - der Persepektivwechsel ist sehr spannend. -
Ich bin als 18jährige als Betreuerin einer Jugendgruppe eines Sportvereins mit dem Bus über die Grenze gefahren.
Die Grenzer fand ich etwas steif.
Aber schlimm war, dass der Bus total lange (mit lf. Motor) auf der Stelle stand.
Mir ist übel geworden, ich durfte an die frische Luft und habe dem Grenzer buchstäblich vor die Füße gekotzt!
@Wanda
schon früh ne starke Meinung gehabt, was?
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@whose_nose Dann hat er mich umarmt und weiter geweint. Er hat sich halt die Vorgänge um den 17.Juni mitbekommen und per Brief bei Walter Ulbricht protestiert als Jugendlicher und hatte offenbar danach bis zum Zusammenbruch der DDR Angst, dass die kommen und ihn holen. Für mich als Kind eine absolut irrationale Angst...
@JDP2000
Die Willkür war unbegrenzt. Ist vorstellbar, dass 1 Brief gereicht hätte.
Bei meiner Schwester hat 1 Satz gereicht und ihr wurde die ganze Zukunft verbaut. -
@whose_nose Was die linientreue Verwandtschaft angeht: Meine Eltern waren 1988 zur Beerdigung meines Uropas "drüben" und dieser eine Großonkel, Vopo und immer zu 150 % auf Linie, erzählte einen DDR-Witz. Da wussten sie, mit dem Laden gehts zuende.
@bewitchedmind
mich haben die kreuzroten schon als 5 Jährig*e richtig wütend gemacht, durfte aber diese Wut nicht nach aussen äussern, weil ich meine Familie damit nicht gefährden durfte.
Wenn jetzt immer noch Leute solche Diktaturen richtig geil finden, fasst mich das sehr an. -
@whose_nose Ich bin einmal, 1988 mit Mutter und kleinem Bruder Verwandtschaft in Schwerin besuchen gefahren. Meine Mutter erschrak bisschen über die zwei MickyMaus-Hefte, die ich trotz Verbots dabei hatte, ich kann mich nicht erinnern, ob sie uns abgenommen wurden oder nicht. Einreise ging relativ schnell, wir hatten auch wirklich nicht viel dabei.
Mein kleiner Bruder fragte meine Mutter in Schwerin, ob da noch Krieg sei, so schlimm sah das aus dort.
Meine Mutter hatte wohl recht viel Angst, sie war '61 kurz vor Mauerbau geflohen, aber es passierte nichts. Meine Tante instruierte uns, nichts über die DDR o.ä. zu fragen.@Easydor
Diese Angst vor Willkür.
Ja, die Bausubstanzen der Städte waren übel. Für uns Kinder war das aber auch viel Freiheit , was wir in Erdlöchern und auf Schutthaufen rumgeklettert sind. Sogar auf Müllhalden auf Schatzjagd.Glücklich waren wir als wir ne Plattenbauwohnung - warm und trocken bekamen.
Vorher wohnten wir in einer Zwangswg mit fremden Leuten. Das hieß irgendwas wie Kommunardenwohnung.
Eine alte Frau und noch eine Familie - teilten Bad/Küche.
Plattenbau war so das upgrade. -
@whose_nose Rückreise war krasser. Spiegel unter das Auto, Rückbank durchgedrückt, überall reingekrabbelt. Dabei war es ein winziger Polo. Dauerte etwas. Mutter war sichtlich erleichtert, als wir da durch waren.
@Easydor
Vermutlich standen alle unter Generalverdacht. -
@whose_nose
... Erklärung, die Sachen gehörten mir nicht allein, akzeptierten die Grenzer nicht. Von Geldwäsche war die Rede, Unterlaufen des Finanzsystems der DDR & Anklagen mehr.
Es war Spätnachmittag, ich fühlte mich krank.
Sie haben mich 2 h verhört, sehr unfreundlich & barsch, und mich festgehalten.
Als der Grenzübergang nachts schloss, haben sie mich einfach rausgeschmissen. Ich stand im Regen im Dunkeln völlig fertig, erschöpft & krank & musste sehen, wie ich in unsere Unterkunft kam.@speybridge
Oh je. Das tut mir leid. -
@Easydor
Diese Angst vor Willkür.
Ja, die Bausubstanzen der Städte waren übel. Für uns Kinder war das aber auch viel Freiheit , was wir in Erdlöchern und auf Schutthaufen rumgeklettert sind. Sogar auf Müllhalden auf Schatzjagd.Glücklich waren wir als wir ne Plattenbauwohnung - warm und trocken bekamen.
Vorher wohnten wir in einer Zwangswg mit fremden Leuten. Das hieß irgendwas wie Kommunardenwohnung.
Eine alte Frau und noch eine Familie - teilten Bad/Küche.
Plattenbau war so das upgrade.@whose_nose Das glaube ich dir sofort. Unsre schönsten Spielorte waren auch brach liegende Grundstücke, am Bach und alte leere Häuser. Unser Nachbargrundstück war mit Aushub der umliegenden Grundstücke zu einer Hügellandschaft aufgeschüttet und wir fuhren dort Rad und spielten.
Als daraus ein "Abenteuerspielplatz" gemacht wurde, empfand ich das wirklich als Verlust. -
@AlienJay
Hausbuch + Polizeianmeldung
Da muss ich gleich mal meine Westtante anrufen.
Danke - das habe ich nicht gewusst.
Die Autos wären sehr aufgefallen, hätten sie vor unserer Tür gestanden. Ich war aber noch zu klein als das ich es überhaupt gemerkt hätte.Es gab so wenig Autos - alte Fotos zeigen vereinzelt Autos am Strassenrand.
@whose_nose Ja, Autos am Straßenrand fielen auf. Das stimmt.
Ich überlege gerade, wie alt ich war, als ich das letzte Mal in der DDR war. Da war ich gute 17 Jahre alt meine ich. Ich war damals dann mit dem Sohn der Kusine meiner Mutter auch in einer Disko. Er war ungefähr in meinem Alter und hatte den Führerschein für die Schwalbe, die die Familie besaß.
Aber auch in dem Alter war ich relativ unbedarft an der Grenze. Ich war es ja gewohnt. Wir waren sehr regelmäßig bei unserer Verwandtschaft in Dresden.
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