Nachdem ich auf meinem Mastodon Profil ein Foto der selbst-gebauten Frühjahrs-Abdeckung für unser Hochbeet gepostet hatte, wurde ich gebeten das doch näher zu beschreiben, was ich hiermit einlöse.
Als Hobbyist spreche ich von Erfahrungen – sollte jemand Fehler entdecken oder Verbesserungen kennen – ich lerne gerne und werde es hier auch teilen, damit alle was davon haben.

Pflanzen benötigen im Frühjahr Wärme um zu keimen – und bei uns Schutz vor Hühnern, um nicht ausgegraben zu werden. Angebote in Garten-Centern oder Baumärkten werden schnell sehr teuer und sind oft kaum mehr als eine Saisson haltbar. Zudem gibt es die meist nur in Standard-Maßen für die eigenen Produkte.
Mein Ziel war ein Aufbau, der möglichst lange hält, einfach nutzbar und zerlegbar ist (wird ja im Sommer und Winter nicht benötigt) sowie optisch gut aussieht. Das mir Nachhaltigkeit, Recyclingfähigkeit, möglichst ungiftige Materialien, heimische Herkunft und überschaubare Kosten sehr wichtig sind, setze ich heute als selbstverständlich voraus.
Material:
Da jedes Beet wohl unterschiedlich groß ist, dienen meine Angaben nur als Referenz. Der Teil meines Hochbeets, der überbaut wurde ist knapp 3 quadratmeter groß – bei vielen sollte also schon ein Drittel des Materials reichen.

Sollte alles beim lokalen Holzhändler oder Baumarkt für ca. 100 Euro zu erhalten sein:
- 5x Latten aus Lärche oder Douglasie ca. 6 cm x 4 cm x 200 cm
- 3x recycelte Hohlkammerplatten aus Polycarbonat 200 cm x 98 cm x 6mm
- 16 Edelstahlschrauben Torx M5 x 35 mm
- 8 Edelstahlschrauben Kreuzschlitz M5 x 100 mm
- 4 Edelstahlschrauben Torx M4 X 50 mm
- Wasserfester Holzleim
Ich habe bewusst keine Scharniere verwendet – in „stürmischen“ Gegenden ist eine Befestigung empfohlen. Dadurch können wir die Deckel in jeder Form schließen oder öffnen – einzeln, verschieben, entfernen, stapeln…

Werkzeug
Je nach vorhandenem Werkzeug kann man mit sehr wenig – oder natürlich beliebig „besonders“ herangehen.
- Tischkreissäge (damit geht fast alles)
- Kappsäge (alternativ eine Japansäge – per Hand)
- Handkreissäge mit Führungsschiene (für die Holkammerplatten)
- Akku-Schrauber (Bohren und Schrauben – alternativ per Hand)
- Feile/Schleifpapier zum Entgraten (alternativ Kantenfräse)
- Frästisch (optional für die Nut und Kanten)
- Handschuhe, Gehörschutz und Schutzbrille
Ablauf – Bau
TIP:
Da Holz ein organisches Material ist, wir im Außenbereich arbeiten und man nicht zwangsläufig von rechten Winkeln am Hochbeet ausgehen sollte, empfehle ich immer wieder genau nachzumessen! Durch das Gewicht der Erde drückt es oft Hochbeete an den Längskanten nach Außen – ein Bauch entsteht. Auch verzieht sich die Stellfläche manchmal durch weichen Boden oder weil kein Fundament gemacht wurde oder die Standfläche nicht gerade war.

Am einfachsten ist es Latten zu kaufen, die so wie sie sind, verwendet werden können.
Aus meiner Erfahrung ist es deutlich günstiger und sieht auch besser aus, wenn man nicht die klassischen „Dachlatten“-Maße verwendet.

So kann ich aus einer Latte 6x4cm sowohl 3 Latten mit 4×2 cm für die Fenster-Rahmen als auch 2 mit 3×4 cm für die Element-Rahmen schneiden. Aus 1 mach 3.


Aus den dickeren 4 cm x 3 cm Latten entstehen die Segment-Rahmen, zwischen die die Fensterpanele später eingeschoben werden. Die Nuten können entweder mit der Tischkreissäge (mehrfach versetzt durchschieben) oder mit einem Fräser – ca 7 mm tief.
Die Kanten kann man mit Schleifpapier oder einer Kantenfräse abrunden. Ich habe sie mit einem 45° Fräser rundum bearbeitet, dadurch sieht es weniger wuchtig aus und die Gefahr durch Spreisel ist reduziert.

Die senkrechten Segment-Rahmen-Teile sind unten ca. 5 cm auf die halbe Dicke reduziert und mit 5mm zwei mal vorgebohrt. Die hinteren sind ca. 7 cm länger um eine Schräge für die Deckel (und damit Wasser-Abfluss sicherzustellen) zu erreichen.
Sie werden von Innen an den Hochbeet-Rahmen (Lärche) geschraubt – dadurch kommt kein Regen an die Schrauben und Löcher.

Typischerweise bräuchte es Querverstrebungen – bisher ist diese Doppelverschraubung der senkrechten Segment-Rahmen jedoch sehr stabil und ausreichend.
Ursprünglich waren die oberen Segment-Rahmen oben geschlossen, das habe ich nachträglich geändert – dadurch sind alle Fenster, jederzeit, frei entnehmbar (einfach nach oben herausziehen.)
Die oberen Segment-Rahmen werden mit der langen Schraube (100 mm) stumpf auf die Senkrechten – schräg eingeschraubt.
TIPP: Durch schräges einschrauben erhöht sich die Stabilität deutlich – zudem wird können sich die Latten kaum gegeneinander verdrehen.

Die Eck-Segment-Rahmen sind nur einseitig eingefräst – hier im Fertigstellungszustand sieht man wie die Fenster-Rahmen eingepasst werden:

Die Eckverbindung der Fenster-Rahmen wird sehr einfach durch Halbierung der Materialstärke auf Rahmenbreite erreicht. Das erledigt ein 15 oder 20 mm Fräser oder eine Kappsäge mit Tiefenanschlag – wie bei der Tischkreissäge einfach mehrfach nebeneinander durchziehen:

Jetzt die Tisch-Kreissäge für die Nuten einstellen. Für die Fenster habe ich 10 mm Nut-Tiefe gewählt:

Mein Tisch-Kreissägeblatt hat eine Dicke von 3 mm. Dadurch reicht es, die Fenster-Rahmen 2 mal durchzuschieben (einmal von links, einmal von rechts).
Die Verbindungs-Enden werden nicht genutet, also vorher beim durchziehen stoppen.

Die 6 mm dicken Hohlkammerplatten lassen sich mit einer Handkreissäge gut schneiden – langsam bewegen, dass nichts ausreißt. Ein Anschlag oder besser eine Führungsschiene helfen, dass die Schnitte gerade werden.

Durch den Schnitt entsteht ein Grat, der das Einführen in die Nut erschwert. Daher empfehle ich die Platten beidseitig mit einer Feile oder Schleifpapier zu entgraten.

Ich habe die Größe der Hohlkammerplatte etwas kleiner gewählt als die sichtbare Scheibengröße plus beide Nut-Tiefen. Dadurch sollte es keine Wölbung bei höheren Temperaturen geben.

Beim Einsetzen werden zuerst drei Fenster-Rahmen verklebt, dann die Scheibe eingeschoben. Der vierte Fensterrahmen wird dann aufgesteckt und an den Ecken mit wasserfestem Holzleim verklebt. Zur Fixierung – ca. 30 Minuten – verwende ich Schraubzwingen.
Zum Schluss habe ich die Fenster-Rahmen noch beidseitig mit einem Fräser abgerundet – Radius ca. 6 mm (Kantenfräser oder Oberfräse)

Fertige Eck-Verbindung der Fenster-Rahmen. Die Fenster sind leicht, stabil, einfach verstaubar und brauchen wenig Platz.

Die Senkrechten Segment-Rahmen sind durch die Doppelverschraubung so stabil, das sie die Fenster-Panele ohne weitere Verschraubung schon halten.

Edelstahlschrauben sind wichtig, da durch die stetige Feuchtigkeit im Außenbereich Schauben sonst schnell rosten und nicht mehr entfernt werden können.

Zwischenstand ohne Deckel:

Die vordere Höhe des Aufbaus beträgt 36 cm – damit sollten klassische Salate und anderes Gemüse genug Platz finden:

Jedes einzelne Panel lässt sich einzeln herausnehmen, um entweder überall einfach hinzukommen beim Pflanzen, Unkraut jähten oder Ernten oder später um einzelne Segment zu entfernen.

Die beiden ersten Segmente sind genau so breit, wie das Beet tief – das hat mehrere Vorteile bei der Nutzung (z. B. als Ablage) und dem Verstauen während des Sommers oder Winters.

Es fehlt noch das Seitenteil – bei freistehenden Hochbeeten wird das zweimal benötigt. Ich empfehle das vor Ort anzuzeichnen um etwaige natürliche Abweichungen zu kompensieren.

Damit das Rahmenholz nicht spreiselt oder reißt immer vorbohren und die Schraubenköpfe senken.
TIPP: wenn das Seitenteil keine rechten Winkel hat, zuerst die 3 Fenster-Rahmenleisten mit dem „größeren“ Winkeln verkleben – sonst kann man die Scheibe nicht einschieben.

Das fertige – Maß-Seitenteil:

Da Douglasie oder Lärche als Holz gewählt wurde, muss (soll) nicht gestrichen oder lackiert werden. Der hohe Harz-Anteil schützt das Holz am besten – zudem sieht es natürlicher aus.

Die ersten Salate und Gemüsesorten wachsen schon. Automatische Bewässerung mit Zeitschaltuhr oder Gießen per Hand – und bei Sonne nicht vergessen abzudecken… viel Erfolg beim Bauen und An-Bauen.
Wer es nachbaut – gerne Bilder schicken oder Erfahrungsberichte – sicher kann man noch einiges verbessern.