Ich habe mich am Arbeitsplatz einer Kollegin gegenüber kürzlich als Autist geoutet (und meiner Chefin gegenüber übrigens auch). Drei weitere Kolleg:innen wissen außerdem von meiner ADHS. Dieses jahrzehntelange Maskieren ist mir einfach inzwischen zuwider, außerdem total anstrengend. Das merke ich nicht nur live in den Situationen, wenn mein Fokus nicht mehr ausreicht, um einem Gespräch zu folgen, als auch am Ende des Tages, wenn ich einfach total platt bin. Ich habe Monate damit gezögert, war mir auch nicht hundertprozentig sicher, Restzweifel blieben, ist es die richtige Entscheidung? Oder nur Oversharing? Immerhin gibt es kein Zurück. Die Reaktionen sind doch erstaunlich. Eine Kollegin, die es zufällig (!) auch mitbekommen hat, machte mir gegenüber einen Witz über Behinderte. Echt krass, hätte ich ihr nicht zugetraut. Eine Kollegin fragte mich nach einem Video (den Song "Autistin" von Boykottone) welches ich als Status im Messenger eingestellt hatte, weil sie es nicht öffnen konnte und ist jetzt so interessiert, dass sie mich sogar nach Bücherempfehlungen zum Thema Autismus fragte. Auch das ist sehr überraschend. (Währenddessen: Meine Eltern interessiert es nicht die Bohne, Freunde zum großen Teil auch nicht) Meine Chefin reagierte auf mein "dieses Outing kann mich den Job kosten" wie aus der Pistole geschossen mit "wird es nicht". Ich dachte, irgendwie wird es dann Mal wie ein Dammbruch werden, der vielleicht mein bisschen Sicherheit wegspült, wenn ich mich oute, aber es ist eine schrittweise Veränderung, die sich sehr richtig anfühlt. Am Dienstag war ich am Arbeitsplatz einer völlig überfordernden Situation ausgesetzt, das habe ich offen ausgesprochen und auch das fühlte sich komplett richtig an. Hätte ich früher so nicht getan. Allerdings, ich ecke nun auch mehr an, aber das ist quasi von mir gewollt, (manche:r Leser:in wird wissen warum). Fühlt sich stressig an, bekomme aber eher positive Reaktionen darauf.Das Atomoxetin har mir zudem einen ordentlichen Energieschub verpasst, ich bin endlich wieder in der Lage, den Tag komplett aktiv zu gestalten, ohne ständiges ausruhen, dabei arbeite ich inzwischen fast Vollzeit statt halbtags.Meine Therapeutin ist übrigens von meinen Veränderungen begeistert. Die Diagnose, die Recherche und Beschäftigung mit dem Thema, außerdem die ADHS-Medikamente und natürlich die metacognitive Therapie haben mein Leben radikal und positiv verändert. Der lange Weg hat sich gelohnt, mein Leben fühlt sich endlich lebenswert an, die Depressionen sind auch weg, die Sucht habe ich übrigens seit inzwischen 5 Jahren auch besiegt und die Folgen meines psychotischen Burnouts 2021 auch überstanden.Danke übrigens an @Erdrandbewohner für die kontinuierliche Aufklärung zum Thema, ohne die ich noch immer im trüben fischen würde. Sich selbst erkennen und finden ist der Schlüssel.Und ja, auch dieses Posting ist irgendwie auch garantiert Oversharing, aber ich weiß, dass solche Fragen und Erfahrungen nicht wenige Betroffene bewegt.#AuDHD #Autismus #ADHS